Agenturschluss in Frankfurt/M., 03.01.2005 Um 9.00 Uhr stehen ca. 20 Anhänger der " Wahlalternative " vor der Zufahrt der Frankfurter Arbeitsagentur. Ein recht m üder Haufen, wie es scheint. Bekannte Gesichter tauchen auf; die meisten gehen zielstrebig in Richtung Eingang, ohne stehen zu bleiben und zu grüßen. In der Agentur werden wir vom Pförtner angehalten, ein Herr von der Pressestelle kommt hinzu. Zunächst heisst es, wir dürften im Hause nicht f ilmen. Doch nach einiger Diskussion dürfen wir einige Bilder in den Fluren machen, die weitgehend noch leer sind. Insbesondere an der Zahlstelle ist gar nichts los, was uns später als Beweis für die Reibungslose Auszahlung des Arbeitslosengeld II präsentiert wird. Doch wird es wohl einige Zeit d auern, bis die Anspruchsberechtigten ihre Konten gecheckt und durch die bürokratischen Mühlen der Agentur zur Zahlstelle gelangen. Im 2. Stock werden von AktivistInnen Flugblätter verteilt. Unser Begleiter erteilt ihnen Hausverbot. Wir führen wir ein kurzes Interview mit einer Arbeitslosen, di e bislang Vergeblich auf die Auszahlung ihres Geldes wartet. Sie werde von Amt zu Amt hin- und hergeschickt, sagt sie. Aus dem Fenster sehen wir behelmte Polizisten anrücken. Zusammen mit dem Herrn von der Pressestelle eilen wir ihnen entgegen. Er versucht zu verhindern, dass wir die Polizei im Hau se filmen. Dies passe nicht " in das gew ünschte Bild " , teilt er uns mit, als er versucht, die Linse zuzuhalten. Wir verlassen das Geb äude, um die Situation vor der Tür zu Filmen. Hier stehen nun ca. 150 DemonstrantInnen aus verschiedenen Gruppen. Als AktivistInnen in einem Fenster der Agentur ein Transparent entrollen, kommt etwas Schwung in die Kundgebung. ArbeitslosenrechtlerInnen und Autonome versuchen, an der Polizei vo rbei in das Gebäude zu gelangen. Mit Mühe können die BeamtInnen ihre Linie halten. Nur Arbeitslose mit Vorladung werden noch ins Haus gelassen. Ein Herr von der Wahlalternative fühlt sich genötigt, die Demonstranten über den Lautsprecherwagen der Polizei als Chaoten zu bezeichnen und distanzie rt sich so vom Großteil der KundgebungsteilnehmerInnen. Wir möchten nun den Pressesprecher der Arbeitsagentur interviewen, doch die Polizei verwehrt uns trotz Presseausweisen den Zugang. Unser Begleiter aus der PR- Abteilung kommt uns entgegen. Wir bitten Ihn, das Interview zu vermitteln. Die Po lizei empfiehlt ihm, uns nicht ins Haus zu lassen. Wir würden ständig auf Demos Filmen. Wir werden als Antifa- Fotografen verleumdet, die " Einzelaufnahmen von Polizisten anfertigen und diese auf Flugbl ättern veröffentlichen " . Unser Gespr ächspartner zeigt sich von dieser taktischen Information verunsichert. Uns gelingt es trotzdem, das Interview zu führen. Der Pressesprecher gibt sich jovial, ist aber auf kritische fragen nicht wirklich vorbereitet. Anscheinend gibt es nicht einmal eine Statistik darüber, wie viele ALG II Empfä ngerInnen durch Harz IV bessergestellt sind und wie viele nicht.
Duration: 0:06:13, File Size: 20.23 MiB
Language: German, Subtitle: None/Unknown
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